Das Geheimnis der weißen Nelke


Ein Tänzer. Ein geheimnisvoller Verehrer. Ein homophober Hausmeister.

Michelle ist Balletttänzer. Jeden Abend nach einer Vorstellung findet er auf seinem Platz eine weiße Nelke von einem geheimnisvollen Verehrer vor. Trotz Nachforschung gelingt es ihm nicht zu erfahren, was es mit dem Verehrer auf sich hat.
ca. 7.100 Wörter

ISBN: 978-3-7438-8076-4 | ASIN: B07HD12TYX | 1,99 Euro


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LESEPROBE

Der donnernde Applaus dröhnte Michelle noch in den Ohren. Er hatte eine hervorragende Leistung auf der Bühne abgegeben, auch wenn er nicht die Hauptrolle tanzen durfte. Dennoch, er war wie berauscht von der Vorstellung und fand nur schwer wieder auf den Boden der Realität zurück. Während er noch träumte, beschäftigten sich seine Kollegen bereits mit der Planung des restlichen Abends. Bevor sie gingen, luden sie ihn ein mit durch die Nachtbars zu ziehen, um die Aufführung zu feiern. Er wollte jetzt aber lieber allein sein und noch etwas in dem Hochgefühl schwelgen.

Als seine Kollegen johlend die gemeinschaftliche Garderobe verließen, saß Michelle noch immer im Kostüm vor seinem Schminkspiegel. Er schaute auf die weiße Nelke in seiner Hand und die kleine Karte, in der lediglich stand: 'Ein Verehrer'. Langsam stellte er die wundervolle Blüte zu den zwei anderen, in die Vase vor seinem Spiegel.

Seit einiger Zeit lag nach jeder seiner Aufführungen eine Blume auf seinem Platz. Immer eine weiße Nelke und ein Kärtchen mit demselben Text. Anfangs fand er es spannend. Er fragte die Garderobiere und die Stylistin, ob jemand wüsste, wer ihm die Blume schickte. Keiner konnte helfen. Und da der 'Verehrer' nie in Erscheinung trat, fühlte sich Michelle zunehmend verunsichert. Man hatte schon viel von Stalkern gehört und die meisten Berichte waren alles andere als erfreulich. Also begann er seine Umgebung aufmerksamer zu beobachten. Vergeblich. Wie durch Zauberhand erschien die weiße Nelke auf seinem Tisch.

Die anderen Tänzer zogen ihn deswegen schon auf. Wenn er die Garderobe betrat und erneut eine Nelke auf dem Tisch lag, intonierten sie fröhlich den Hochzeitsmarsch, nur weil irgend ein Schlauberger glaubte herausgefunden zu haben, dass in der Sprache der Blumen eine weiße Nelke 'ich bin noch zu haben' bedeutete. Irgendwann wurde das Geschenk jedoch zur Selbstverständlichkeit. Die Jungs widmeten sich neuen Späßen und Michelle, der inzwischen sicher war, von seinem 'Verehrer' nicht bedroht zu werden, entwickelte romantische Vorstellungen. Die weiße Nelke zauberte stets ein Lächeln in sein Gesicht.

Noch einmal strich Michelle liebevoll über die Blüte, dann raffte er sich endlich auf. Er musste sich noch abschminken und duschen, bevor es nach Hause ging. So reinigte er grob sein Gesicht, zog das Kostüm aus und wanderte nackt, mit einem Handtuch in der Hand in den großen Duschraum. Da alle anderen bereits weg waren, hatte er die freie Auswahl und entschied sich für den mittleren der drei Brauseköpfe, die sich gegenüber dem Ausgang befanden.

Das heiße Wasser prickelte auf Michelles Haut und lockerte seine Muskeln. Er öffnete die Spange, die seine Haare zusammengehalten hatte. Schaum lief durch die langen dunklen Strähnen, über Rücken und Brust.

Michelle schloss die Augen. Er genoss das leichte Kitzeln auf seiner Haut, wenn sich der Schaum allmählich abwärts bewegte und empfand das Gefühl erregend, fast prickelnd. Sein Schwanz zuckte unwillkürlich. Gemächlich verteilte er das Gel überall, rieb es unter seine Achseln, über die zusammengezogenen Nippel und dann tiefer. Als große Schaumflusen seine Pobacken erreichten, rann ein wohliger Schauer über seinen Körper. Er stellte sich vor, dass es weiße Nelkenköpfe waren, die ihn liebkosten und später durch die Finger seines Verehrers ersetzt werden würden.

Hände voller Zärtlichkeit. Hände mit festem Griff. Sein Schwanz begann hart zu werden, fühlte sich mit all der Zuwendung und den erotischen Gedanken sehr wohl. Michelle ließ sich von seinen Tagträumen mitreißen. Er berührte sich, seinen Schwanz, den er einseifte und dabei gründlich mit festem Griff bearbeitete. Er kam mit einem lauten Seufzer. Sein Samen spritzte gegen die nassen Fliesen und auf den Boden. Lächelnd und in Gedanken noch immer bei feuchten weißen Nelkenköpfen, lehnte er sich erschöpft mit der Schulter gegen die geflieste Wand.

Inzwischen hatte sich heißer Wasserdampf im Duschraum ausgebreitet.

Michelle wurde aus seiner Seligkeit gerissen, als ein fieser Laut ihn aufschreckte. Das erinnerte ihn daran, dass er sich in der Gemeinschaftsdusche am Theater befand. Er öffnete die Augen, atmete einmal durch und drehte sich mit dem Gesicht zur Wand, um unter dem Wasserstrahl den Schaum abzuspülen.

Ein Schlag, der ihn unerwartet am Rücken traf, schleuderte ihn gegen die Fliesen.



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