Von guten und von schlechten Tagen


Sie sind gerade 17 und beide zum ersten Mal unsterblich verliebt. In diesem Zustand scheint nichts unmöglich zu sein. Keine Liebe berührt mehr als die erste. Keine Liebe macht euphorischer und verletzbarer als sie. Diese Erfahrungen müssen auch Sven und Jo durchleben.

Und dann war da noch das Problem mit Svens Outing.

ca. 10.200 Worte


ISBN: 978-3-7438-8782-4 | ASIN: B07KXZ1BFJ | 1,49 Euro 

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LESEPROBE

Das Leben ist wie eine Achterbahnfahrt. Mal befindest du dich im euphorischen Höhenflug, mal rast du in die Tiefe, nie ganz sicher, ob du vor dem Aufprall abgefangen wirst. 

Einen solchen Absturz erlebte ich, als ich merkte wie schwer es mir fiel, den Erwartungen meiner Umgebung gerecht zu werden. Es dauerte eine Weile, bis ich mir eingestand, dass mein sexuelles Interesse sich nicht auf das andere Geschlecht bezog, sondern auf mein eigenes. Erst kurz bevor ich an die Berufsschule ging, war ich für mich in der Lage meine Orientierung ohne Verbitterung zu benennen. Ich war schwul. Kein Grund, es an die große Glocke zu hängen.

Dann nahm meine Achterbahn wieder Fahrt auf, genau in dem Moment, als ich Jo begegnete, der zur selben Zeit in der Berufsschule war. Im Gegensatz zu mir, machte er kein Geheimnis aus seiner sexuellen Orientierung. Es war nicht so, dass er in der Pause Regenbogenfahne schwingend durch die Flure lief, doch wann immer die Diskussion aufkam und es um oder gar gegen Schwule ging, stand er leidenschaftlich auf. Erstaunlicherweise gab es daraufhin kaum Anfeindungen. In der Hinsicht war unsere Schule etwas Besonderes.
Ich fühlte mich mehr und mehr zu ihm hingezogen. Zu meinem Glück erwiderte Jo das Interesse. Doch zunächst waren wir nur Freunde, die hin und wieder gemeinsam etwas unternahmen. Später, im Abschlussjahr, wurde es mehr. Ich war zum ersten Mal unendlich verliebt. Das war keine Schwärmerei, kein Strohfeuer. Was ich für Jo plötzlich empfand ging so tief in mich hinein, dass es fast schmerzte. Ein lieblicher, bitter süßer Schmerz. Es war wie ein Rauschzustand.
Die erste große Liebe; selbstlos und egoistisch zugleich. Das war also mit Schmetterlingen im Bauch gemeint. Ich wollte alles, aber ich traute mich noch nicht so richtig, aus Angst, ich würde zu viel riskieren. In Jos Augen stand dieselbe Sehnsucht geschrieben, seine Körpersignale waren eindeutig. Wir waren wie Magneten, die ab einer bestimmten Nähe unweigerlich aufeinander zurasten und aneinander festklebten.
Was sich zwischen uns entwickelt hatte, wollten wir nicht durch hastigen und unbeholfenen Sex zerstören. Vor uns lag noch ein ganzes Leben.
Dachten wir.

Da wir beide noch bei den Eltern wohnten, mussten wir uns einen Freiraum schaffen, in dem wir wenigstens etwas unter uns sein konnten. In der warmen Jahreszeit gab es Parks und idyllische Plätzchen. Freilich, über streicheln und küssen kamen wir nie hinaus. Im Hintergrund lauerte unsere eigene Unsicherheit. Als es kälter wurde, probierten wir verschiedene Kinos aus und fanden schließlich eines, in dem spät am Abend hauptsächlich anspruchsvolle Filmkunst gezeigt wurde. Entsprechend mäßig besetzt waren die Kinoplätze. Wir drückten uns in der letzten Reihe in der Ecke herum. Ein großer Teil des Geldes ging also für Eintrittskarten drauf, da wir Stammgäste im Kino wurden.

In uns steckte weiterhin zu viel Unwissenheit, zu viele Hemmungen, zu viel Angst. Dabei nahm unsere Sehnsucht ‚es‘ zu tun von Woche zu Woche zu. Unser Verlangen wuchs. Manchmal, wenn ich dann in der Nacht wieder allein in meinem Bett lag, tat die Sehnsucht körperlich weh. Ich versuchte den Druck loszuwerden – und versagte. Mich frustrierte das und die Angst im entscheidenden Moment ähnlich kläglich zu versagen, baute sich wie eine unüberwindbare Hürde vor mir auf. Bis zum Ende des ersten Berufsschuljahres hatte sich meine Versagensangst und Frustration bis zur Höhe des Himalayas aufgestaut. Irgendwann fragte mich Jo, was mit mir sei und ließ nicht locker, bis ich ihm meine Angst gestand. Ich war mir sicher, dass er nicht so eine Lusche war wie ich. Doch Jo strich mir sanft über die Wange, küsste mich und offenbarte mir, dass es ihm ähnlich erging und wir uns unter diesen Umständen nicht verrückt machen sollten. Mein Himalaya schrumpfte, zumindest bis zur Größe der Alpen.  
Nach Weihnachten eröffnete sich uns eine neue Möglichkeit. Mein älterer Bruder zog in eine eigene Wohnung. Ich durfte die Dachkammer übernehmen, die zur elterlichen Wohnung im alten Mietshaus gehörte aber separat neben dem Trockenboden ausgebaut worden war. Als jetzt ältestes noch bei der Familie wohnenden Kinder und Berufsschüler, stand mir das Privileg zu, die Dachkammer zu übernehmen. Eigentlich wäre es das perfekte Liebesnest. Jo und ich hätten jeden Freiraum, den man sich nur denken konnte. Doch da gab es zwei gravierende Probleme. In der Dachkammer befand sich zwar ein kleines Waschbecken, aber keine Toilette. Ich musste die in der elterlichen Wohnung, eine Etage tiefer, nutzen. Und zum anderem konnte man vom elterlichen Bad aus jeden Schritt in der Kammer darüber hören. Nicht nur Schritte! Ich wollte lieber nicht wissen, was sie zu Geräuschen sagen würden, die sie eher aus dem elterlichen Schlafzimmer kannten. Und dann erst meine neugierige Schwester!
Bevor ich Jo dahin mitnehmen konnte, wollte ich ihn vorsichtig darauf vorbereiten. Und natürlich renovieren. Daher verriet ich ihm noch nichts. Es sollte eine Überraschung werden.
Das mit der Überraschung kam, wenn auch anders als gedacht.
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