Kostümball


Peters Schwester Julia wünscht sich zu ihrem 18. Geburtstag einen Kostümball mit dem Thema ‚Romeo und Julia‘. Wegen des Frauenüberschusses bittet sie ihn, seine Kommilitonen einzuladen, insbesondere Jason, den sie sehr süß findet.

Auf dem Fest versucht Peter heroisch, irgendwie der Lage Herr zu bleiben. Für einen schwulen Mann kein einfaches Vorhaben. Er ist umgeben von Typen in Verkleidungen, die alle für ihn wie Traumprinzen ausschauen lassen. Dann tritt Jason auf den Plan und stellt Peters Gefühlswelt gehörig auf den Kopf.
ca. 4.300 Wörter

ISBN: 978-3-7438-7757-3 | ASIN: B07GFSK1JV | 0,99 Euro

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LESEPROBE

Peter, Student im dritten Semester, überflog am PC das Vorlesungsverzeichnis des Wintersemesters. Ihm fehlten noch einige Vorlesungen, da er nicht alle seine Wunschkurse belegen konnte. Mit seinem Ehrgeiz, das Physikstudium so schnell wie möglich abzuschließen, setzte er sich zusätzlich unter Druck. Seine Eltern waren zwar recht vermögend und daher auch entspannt in der Hinsicht, doch er wollte ihnen so wenig wie möglich auf der Tasche liegen. Natürlich freute er sich, dass sie ihn so vorbehaltlos unterstützten und auch den gebrauchten froschgrünen Hyundai hatte er gern genommen. Ein Auto vereinfachte nun einmal vieles in seinem Studentenleben. Dennoch, je eher er sein eigenes Geld verdiente, umso besser.

Wenn ich ‚Polymerphysik‘ belege, überschneidet sich das mit ‚Cluster und Nanoteilchen im Strahlungsfeld‘. Die Seminare laufen fast parallel.“ Die leicht frustrierte Stimme kam aus dem PC- Lautsprecher. Peter war mit Jason per Skype verbunden. Er sah zu seinem Kommilitonen auf, der im verkleinerten Fenster am linken Rand zu sehen war. „Und ‚Clusterphysik‘ ist schon voll belegt“, fügte er überflüssigerweise hinzu. „Sitzen die Typen schon seit Ende des Sommersemesters vorm Imma-Büro? Diese Streber!“

Hast du dich schon auf die Warteliste gesetzt?“

Was denkst du denn? Ich stehe gleich hinter dir.“

Peter blätterte in seinem Ordner, um zu sehen, auf welche Seminare er noch ausweichen konnte, ohne sich zu weit von seinen Zielen zu entfernen. Völlig in Gedanken versunken bemerkte er nicht, wie seine zwei Jahre jüngere Schwester Julia in sein Zimmer schlich und plötzlich von hinten die Arme um ihn schlang. Sie kicherte, als er erschrocken zusammenfuhr. „Verdammt, deinetwegen bekomme ich noch einen Herzinfarkt.“ Eine Ablenkung konnte er jetzt nicht gebrauchen, dennoch tätschelte er ihre Hände auf seiner Brust.

Ich muss dir etwas mitteilen!“, flötete sie ihm ins Ohr. Ihr Blick fiel auf den Monitor, wo sie Jason entdeckte. „Hi, Jason! Wie läuft es so?“

Es läuft so“, erwiderte dieser leichthin. „Ähm, Peter, melde dich, wenn du noch eine Alternative gefunden hast.“ Mit diesen Worten unterbrach Jason beinahe fluchtartig die Verbindung.

Nun?“ Der große Bruder schaute zu seiner Schwester auf, die sich zu ihm herabbeugte und verträumt ihr Kinn auf seine Schulter legte. „Jason ist so etwas von süß.“

Und jetzt hast du ihn vertrieben.“ Er zwinkerte seiner Schwester zu.

Meinst du, er kann mich nicht leiden?“ Julia wirkte aufrichtig enttäuscht.

Keine Ahnung. Du wolltest mir etwas mitteilen?“ Peter ahnte bereits, was kommen würde. Seine Schwester ließ in letzter Zeit keinen Tag aus, um es ihm zu sagen.

Ich werde bald achtzehn!“

Wirklich? Schon achtzehn? Wann? Morgen?“

Nein, im Januar!“

Das ist erst in vier Monaten, Schwesterchen“, versuchte er zu beschwichtigen.

Also, genau genommen in“, Julia schaute zum Kalender an der Wand, „in genau vierzehn Wochen.“

Aha, schon in vierzehn Wochen. Das wird verdammt eng.“

Mach dich nicht lustig über mich. So ein 18. Geburtstag ist ein wichtiger Schritt im Leben eines jungen Menschen. Darum habe ich vorhin mit Mama und Papa darüber gesprochen. Ich möchte so gern einen Ball.“

Einen Ball? Welche Farbe? Rot? Grün? Oder lieber einen mit süßen kleinen Disney-Prinzessinnen drauf?“

Du bist gemein!“ Julia nahm die Arme von ihrem Bruder und wollte gehen, doch er fing ihre Hand auf und zog sie wieder zu sich heran. „Was stellt sich denn meine kleine Julia vor? Disco und großes Besäufnis?“

Pah, das mag bei euch Studenten reichen, ich will aber einen Ball, einen wundervollen Kostümball mit tollen Gewändern und edlen Fräuleins und stattlichen Männern.“

Peter hustete etwas gekünstelt. „Männer? Seit wann interessiert sich meine kleine Schwester für Männer? Und wo, bitte schön, sollen die herkommen? Ganz zu schweigen von stattlichen Männern!“

Ach gut, dass du fragst“ Julia strich ihrem Bruder verspielt durch das kurze braune Haar „Da kommst du ins Spiel. Freundinnen habe ich genug, aber es mangelt an männlicher Begleitung. Kannst du nicht paar von deinen Mitstudenten einladen? Zum Beispiel Jason“, fügte sie im unschuldigsten Ton hinzu.

Zuerst wusste Peter nichts zu sagen und als er mit ersten Ausflüchten kam, hüpfte seine Schwester mit einem strahlenden Danke auf den Lippen bereits aus dem Zimmer. „Übrigens, das Thema ist ‚Romeo und Julia‘. Du bist natürlich mein Romeo!“

Die Tür schloss sich.

Peter schaute von der Tür zum Kalender an der Wand. Vierzehn Wochen Zeit, um paar Jungs zu organisieren, die verrückt genug sind, auf einen Kostümball zu gehen. Jason? Na, der wird sich vielleicht bedanken.

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